Glückwunsch an Moderna zu ihrer 44-Milliarden-Dollar-Krebsimpfstoff-Pressemitteilung
Modernas experimenteller Krebsimpfstoff hat ein außergewöhnliches Ergebnis geliefert.
Noch bevor die medizinische Community die Phase-3-Wirksamkeitszahlen gesehen hat, hat er erfolgreich den Aktienkurs von Moderna behandelt.
Die Aktien sind an einem einzigen Handelstag um 177 Prozent gestiegen, haben bei 174,38 Dollar geschlossen und dem Unternehmen ungefähr 44 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung hinzugefügt. Moderna war am Ende des Tages rund 69,6 Milliarden Dollar wert. Merck ist ebenfalls um 12,6 Prozent gestiegen.
Das war eine beeindruckende Reaktion auf eine ebenso beeindruckende wissenschaftliche Ankündigung.
Moderna und Merck sagten, ihre Phase-3-Studie INTerpath-001 habe den primären Endpunkt – das rezidivfreie Überleben – und einen wichtigen sekundären Endpunkt – das fernmetastasenfreie Überleben – erreicht. Die Verbesserungen seien „statistisch signifikant und klinisch bedeutsam“, und die Ergebnisse seien ein Meilenstein für die personalisierte Krebsbehandlung.
Es gab nur eine kleine administrative Kleinigkeit:
Sie haben keine einzigen Wirksamkeitszahlen veröffentlicht.
Intismeran autogene – früher mRNA-4157 oder V940 – wird für jeden einzelnen Krebspatienten extra hergestellt. Man sequenziert eine Probe des Tumors, identifiziert die mutierten Stellen, die genau zu diesem Krebs gehören, und produziert dann eine synthetische mRNA-Therapie, die bis zu 34 ausgewählte Neoantigene kodiert. Die Idee dahinter: Das Immunsystem des Patienten soll lernen, Zellen mit genau diesen Mutationen zu erkennen.
Gegeben wird das Ganze zusammen mit Mercks Keytruda, also Pembrolizumab, einem schon etablierten PD-1-Immuntherapeutikum.
Es lohnt sich, sich das Studiendesign genauer anzuschauen. Es durften nur Patienten rein, die nach der Operation bereits krebsfrei waren. Getestet wurde also, ob man verhindern kann, dass der Krebs später wiederkommt. Einer der wichtigsten Endpunkte – „distant metastasis-free survival“ – vermischt zwei ganz unterschiedliche Dinge: die Metastasierung in ferne Organe und den Tod aus jeglicher Ursache. Das macht das Ergebnis deutlich schwerer zu interpretieren.
Die Phase-3-Ankündigung hat sogar noch weniger quantitative Informationen geliefert als die Phase-2-Publikationen.
Die fehlenden Daten aus Phase 3 könnten nah an den Phase-2-Ergebnissen liegen.
Die frühere Phase-2-Studie KEYNOTE-942 hatte 157 Patienten, Medianalter 63, alle mit hochriskantem Melanom, das bereits komplett operativ entfernt worden war. Zu diesem Zeitpunkt war auch kein nachweisbarer Krebs mehr da.
Über die ganze Studie hinweg sind in der früheren Auswertung nur neun Patienten gestorben – vier in der Impfstoff-Gruppe (von 107) und fünf in der reinen Keytruda-Gruppe (von 50). Beim Fünf-Jahres-Update waren es insgesamt erst 14 Todesfälle.
Der Hazard Ratio lag bei 0,425 – sieht erstmal gut aus, bis man sich das Konfidenzintervall anschaut: 0,114 bis 1,584. Das Intervall ist so breit, dass es die Möglichkeit „kein echter Unterschied“ locker mit einschließt.
Die Firmen haben es trotzdem als „ermutigenden Trend“ bezeichnet.
In der INTerpath-001-Studie waren 1.137 Patienten mit Melanom im Stadium IIB bis IV, das ebenfalls bereits komplett operativ entfernt worden war. Sie wurden randomisiert entweder auf Intismeran plus Keytruda oder auf Keytruda allein – als Adjuvanstherapie, um das Risiko zu senken, dass mikroskopische Restkrankheit irgendwann wieder zum Ausbruch kommt.
Moderna kam in diesen Moment in einer schwierigen finanziellen Lage.
Nach dem Höhepunkt der Corona-Impfstoff-Verkäufe ist der Umsatz eingebrochen. Das Unternehmen hat milliardenschwere Jahresverluste geschrieben, Forschungsausgaben gekürzt, Stellen abgebaut und zusätzliche Kreditlinien organisiert, um handlungsfähig zu bleiben. Die Cash-Reserven schrumpfen weiter, während die Pipeline finanziert werden muss.
Ob die detaillierten Ergebnisse die aktuelle Bewertung rechtfertigen, wird man erst wissen, wenn die Zahlen endlich rauskommen.
Bis dahin ist das leichte Geld schon von denen gemacht worden, die die Aktie vorher gehalten haben.
Das gute Fenster zum Investieren war gestern.