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EU und Großbritannien zeigen ihre Liebe zu Linux, indem sie es verbieten. Nur de facto, nicht de jure.

Neue Produkthaftungsregeln in der EU und entsprechende Vorschläge in Großbritannien könnten weitreichende Folgen für Linux und das gesamte Open-Source-Ökosystem haben. Dazu kommt die wachsende Begeisterung der Regierungen für Altersverifikation und Kontrollen direkt auf Betriebssystemebene. Die Zukunft des unabhängigen Computings sieht damit zunehmend weniger unabhängig aus.

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EU und Großbritannien zeigen ihre Liebe zu Linux, indem sie es verbieten. Nur de facto, nicht de jure.

Linux ist überall. Es betreibt einen großen Teil der weltweiten Serverinfrastruktur, bildet die Grundlage des Cloud-Computings, läuft auf Supercomputern, steckt in unzähligen Geräten und bietet Millionen von Menschen eine Alternative zu den proprietären Betriebssystemen von Microsoft und Apple.

Und das vielleicht Wichtigste: Linux ist freie Software.


Nicht nur kostenlos, sondern frei in dem Sinne, dass Nutzer den Quellcode einsehen, verändern und weitergeben können. Und dass sie selbst entscheiden dürfen, wie ihre Computer funktionieren.

Nun hat die Europäische Union eine überarbeitete Produkthaftungsrichtlinie verabschiedet, die ausdrücklich auch Software einschließt. Die neuen Regeln gelten für Produkte, die ab dem 9. Dezember 2026 in Verkehr gebracht werden.


In Großbritannien hat die Law Commission am 8. Oktober 2026 eine öffentliche Konsultation gestartet. Ihr Vorschlag: Die Produkthaftung soll künftig auch Software, künstliche Intelligenz und andere digitale Produkte erfassen.

Das erklärte Ziel ist der Verbraucherschutz. Wenn fehlerhafte Software einen Schaden verursacht, soll jemand dafür geradestehen. Das klingt zunächst vollkommen vernünftig. Zumindest so lange, bis man sich anschaut, wie Linux und Open-Source-Software tatsächlich entstehen.


Wie reguliert man etwas, das niemandem allein gehört?

Linux wird nicht von einem einzigen Hersteller mit einer zentralen Entwicklungsabteilung produziert. Es ist das Ergebnis jahrzehntelanger Zusammenarbeit zwischen Freiwilligen, unabhängigen Entwicklern, Universitäten, Stiftungen und Unternehmen.

Ein Programmierer steuert vielleicht eine kleine Verbesserung zum Linux-Kernel bei. Ein anderer behebt eine Sicherheitslücke. Ein Hardwarehersteller veröffentlicht einen Treiber. Eine Distribution wie Debian stellt daraus Softwarepakete zusammen, während Unternehmen wie Red Hat und Canonical kommerzielle Dienstleistungen rund um Linux anbieten.


Dieses System funktioniert gerade deshalb, weil die Beteiligten Code beitragen, verändern und weiterverwenden können, ohne jedes Mal mit allen anderen einen neuen Vertrag aushandeln zu müssen.

Es beruht auf Offenheit, geteilter Verantwortung und freiwilliger Zusammenarbeit.

Die neuen Haftungsregeln folgen allerdings einer ganz anderen Logik.

Software kann als Produkt gelten. Unternehmen, die sie kommerziell anbieten, können für Schäden durch fehlerhafte Software haften, selbst wenn ihnen kein Verschulden nachgewiesen wird.

Für tatsächlich nichtkommerzielle Open-Source-Entwicklung sind Ausnahmen vorgesehen.

Es hilft den freiwilligen Entwicklern allerdings wenig, wenn die Unternehmen, die ihre Software überhaupt erst breit nutzbar machen, sich das Haftungsrisiko bei der Verbreitung nicht mehr leisten können.


Niemand muss Linux verbieten

Ein kleines Unternehmen, das spezialisierte Industrieanlagen entwickelt, könnte sich für Linux entscheiden, weil der Quellcode offenliegt, die Software angepasst werden kann und keine üblichen proprietären Lizenzkosten anfallen.

Nun kommt ein erweitertes Haftungssystem hinzu, bei dem der Hersteller für Schäden verantwortlich gemacht werden kann, die durch fehlerhafte Software in seinem Produkt entstehen.

Plötzlich muss das Unternehmen mögliche Klagen, Versicherungen, Sicherheitsupdates, Dokumentation und die Kosten einer rechtlichen Verteidigung einkalkulieren.


Eine ausgeweitete und klarer geregelte Haftung für Software könnte diese Kosten erhöhen, gerade für kleinere Unternehmen.

Vielleicht überlegt sich das Unternehmen dann zweimal, ob es unabhängig gepflegte Software einsetzt. Vielleicht kauft es stattdessen eine teure, kommerziell betreute Distribution, schränkt sein Produktangebot ein oder zieht sich ganz aus dem Markt zurück.

Linux ist stark auf Beiträge von Unternehmen angewiesen. Firmen finanzieren die Kernel-Entwicklung, schreiben Treiber, schließen Sicherheitslücken und unterstützen Hardware, weil Linux für ihre Geschäfte nützlich ist.

Wenn diese Anreize schwinden, können sich die Folgen durch das gesamte Ökosystem ziehen.

Weniger Beiträge könnten schlechtere Hardwareunterstützung, langsamere Entwicklung und noch mehr Belastung für die verbleibenden Entwickler bedeuten. Am Ende sitzt dann der normale Nutzer vor seinem eigentlich völlig funktionstüchtigen Computer und fragt sich, warum plötzlich nichts mehr geht.

Niemand müsste die Installation von Linux ausdrücklich verbieten.

Das Recht, Linux zu benutzen, könnte auf dem Papier bestehen bleiben, während Linux in der Praxis zunehmend unbrauchbar wird.


Und wo wir schon dabei sind: Wie alt sind Sie eigentlich?

Das ist nicht der einzige Bereich, in dem Regierungen zunehmend daran interessiert sind, was auf den Computern ihrer Bürger passiert.

Sowohl Großbritannien als auch die EU bauen ihre Ansätze zur digitalen Altersverifikation aus.

Die Europäische Kommission hat ein EU-weites System zur Altersverifikation entwickelt.

Erwachsene könnten entsprechende Schutzmaßnahmen deaktivieren, nachdem sie durch eine Altersprüfung nachgewiesen haben, dass sie über 18 sind. Die Regierung hat außerdem angedeutet, dass sie gesetzliche Vorgaben machen könnte, falls die Industrie solche Maßnahmen nicht freiwillig umsetzt.

Für Linux ist das bislang keine Pflicht. Und so, wie Linux funktioniert, wird es das wohl auch nie wirklich sein.

Aber die Richtung, in die sich das Ganze bewegt, wirft eine grundsätzliche Frage auf.

Seit wann ist ein Betriebssystem der richtige Ort, an dem die Regierung entscheidet, was der Besitzer eines Computers sehen oder tun darf?


Ein funktionierendes System zu Tode regulieren

Linux ist eines der erfolgreichsten Beispiele freiwilliger, weltweiter Zusammenarbeit in der Geschichte der Computertechnik.

Menschen, die sich nie begegnet sind, in unterschiedlichen Rechtssystemen leben und teilweise für konkurrierende Unternehmen arbeiten, entwickeln gemeinsam Software, auf die sich ein großer Teil unserer modernen Wirtschaft stützt.


Perfekt ist dieses System nicht. Es gibt Sicherheitslücken. Entwickler brennen aus. Manche Unternehmen profitieren stärker davon, als sie selbst beitragen.

Aber das System funktioniert seit Jahrzehnten. Und ein erheblicher Teil der weltweiten digitalen Infrastruktur hängt davon ab.


Mal ganz nebenbei: Linux-Nutzer sind im Regelfall keine Terroristen. Wenn die Spezialisten der Regierung schon mit Linux nicht klarkommen, werden sie mit anderen Möglichkeiten zur illegalen Kommunikation erst recht ihre Probleme haben. Linux zu regulieren wird daran nichts ändern.


Wenn ein Gesetz das Recht, Linux zu benutzen, theoretisch bestehen lässt, gleichzeitig aber seine unabhängige Entwicklung und kommerzielle Verbreitung immer schwieriger macht, wie viel ist diese Freiheit dann noch wert?

Quellen

Dies ist ein satirischer Beitrag. vlgr ist kein echtes Nachrichtenportal – es handelt sich um Parodie und Übertreibung ausschließlich zu Unterhaltungszwecken.
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